Ein Demokratie-Bekenntnis aus der Mitte-“Flagge zeigen”

Warum ist es möglich, dass in Frankreich Menschen auf die Straße gehen, und sich dabei auf die Symbole und Werte ihrer Republik berufen, während in Deutschland Bürger vom Sofa aus radikalisiert werden ?

Nachdem die Ereignisse, die Morde durch den sogenannten “NSU”, bekannt wurden, fanden auch in Deutschland Demonstrationen statt. Nur waren diese meist von ideologisch deutlich positionierten Gruppen organisiert, d.h. Bewegungen, die sich politisch am linken Rand einordnen lassen (um das so neutral wie möglich zu formulieren, bei Bemerkungen bitte kommentieren, danke).

Meiner Meinung nach (und das bitte auch bei ihren Anmerkungen bedenken), ist es nicht unbedingt das Ziel dieser Demonstrationen den Opfern zu gedenken, oder Demokratie und Toleranz zu fördern, sondern ganz im Gegenteil: Mit Parolen, Plakaten und Populismus wird der “KIassenfeind” verallgemeinert, und die Opfer treten ganz bewusst in den Hintergrund. Auch wenn solche Aktionen Aufmerksamkeit generieren, und durchaus berechtigte Kritik an der Arbeit der landesweiten Ermittlungsbehörden üben, finde ich es schade und auch ein bisschen beschämend, wenn wir in Deutschland es nicht schaffen aus der Mitte der Gesellschafft heraus Demokratie zu unterstützen.

Auf der anderen Seite stehen die Trauerveranstaltungen, zum Beispiel die Schweigeminute, als angeordneter Ausdruck von Respekt. Mit diesen kann ich mich zwar identifizieren, und halte das auch für notwendig, doch letztendlich sind es nur die Regierungen, die hier “Flagge zeigen”. Es sind Politiker und Denker, die grundsätzlich, mal mehr, mal weniger, hinter der Bundesrepublik stehen, und es sich zur Aufgabe gemacht haben den Bürger, und Deutschland zu repräsentieren. Sie beweisen, auch wenn es nicht immer im Volk ankommt, tagtäglich, wie man Demokratie lebt.

Denn darum geht es im Kern, und darum geht es auch die Tage wieder in Frankreich, wo, aus welchen Motiven auch immer (ein anderes Thema, auf das ich gerne eingehen werde), Menschen ermordet worden sind. Nicht nur aufgrund einer Religion, sondern allein, weil Sie von der Gesellschaft als Minderheit bezeichnet werden. Auf aktuellen Bildern sieht man häufig die französische Flagge, ob an staatlichen Gebäuden als Teil der offiziellen Trauer, oder auch auf der Straße. Ob die Farben jetzt aus dem Verhältnis von König und Volk (Weiß wird von Blau und Rot eingerahmt, der König also parlamentarisch kontrolliert) oder den revolutionären Schlagwörtern (liberté=Weiß, égalité=Blau, fraternité=Rot) enstanden sind, die Flagge zeigt, wahrscheinlich mehr als jedes andere Symbol, für was man eintritt, und welcher Gesellschaft man angehören möchte.

In Deutschland geht das natürlich nur bei wirklich wichtigen Themen, also Fußball.

Ohne jetzt die deutsche Bevölkerung verallgemeinern zu wollen, scheint es mir an Geschichtsverständnis zu mangeln. Wer weiß denn schon wo unsere Nationalfarben herkommen, und wie sich unsere Flagge im Laufe der Zeit verändert hat ? Und selbst wenn man kein studierter Wissenschaftler ist, oder nicht die Notwendigkeit sieht jedes Detail über die deutsche Nationalbewegung  des 19. Jahrhunderts zu lernen: Man sollte doch in der Lage sein, den Wert von Einigkeit und Recht und Freiheit zu würdigen.

Demenstsprechend kann man auch “Flagge zeigen”, wenn Rassismus in Form von Gewalttaten an Menschen in Deutschland auftritt. Ich kann “Migranten” akzeptieren oder nicht, ich kann eine fremde Kultur mögen oder ablehnen, dass Recht auf Leben und Menschenwürde kann ich niemandem absprechen. Als Bürger dieses Landes habe ich natürlich vielfältige Möglichkeit meine Meinung mitzuteilen, und es darf niemand gezwungen werden an einer öffentlichen Demonstration teilzunehmen.

Aber es wundert mich wieviele Menschen gegen ACTA, gegen Atomkraft und Transport, gegen “die Banken” auf die Straße gehen, oder Aktionsbündnisse starten. Wie wäre es mal mit einer Bewegung, die FÜR etwas ist. In diesem Fall die deutsche Demokratie, unsere Einheit, die wir nach 200 Jahren 1990 erkämpft haben, unser Recht, das jedes Urteil hinterfragt und von der Unschuld des Bürgers ausgeht, unsere Freiheit, die es uns erlaubt Artikel wie diesen zu schreiben.

Wie wäre es mal, jetzt auf die Straße zu gehen, und die europäische Flagge in die Luft zu strecken. Als Zeichen der Solidarität mit all denen, die in Frankreich für einen offenen, toleranten Meinungsaustausch arbeiten. Es geht nicht darum, Migrationsprobleme oder Gesellschaftskritik auszuschließen, und mit verklärtem Blick alles schön zu reden. Es geht darum ein Zeichenzu setzen, dass Gewalt gegen Unschuldige kein Teil des Rechtsstaates ist.

Ich habe auf meinem Schreibtisch 2 Dinge liegen, auf die ich jeden Morgen schaue, um mich daran zu erinnern, wofür ich stehe:  Ein Modell des Reichtages und das Grundgesetz.

If you would like to read more about democracy and protest in germany today, write a message or comment, thank you.

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